The Prophecies of Xearis

Die Gruft des Ilion Ravenwoods Teil I (Finn)

...bevor wir endlich das Grabmal genauer untersuchen konnten, wurden wir von unseren alten Freunden überrascht. Kobolde und Goblins. Kleine grunzende Viecher, zur Menschlichkeit unfähig.

Vom Mondschein wurden wir illuminiert, perfekte Ziele für die Eindringlinge. Die Läufer fingen auch schon an, auf Eida und Balasar einzudreschen. Von einem Hexer im Hintergrund flogen zudem Pfeile und malevolente Sprüche auf uns. Einige von uns bluteten offen. Keldoran wurde vom Goblinhexer geblendet; Balasar wirkte wie auf der Stelle festgekettet, obwohl ihm der Nahkampf noch so leicht wie eh und je fiel. Unter seinem wuchtigen Arm flogen die Gliedmaßen des Getiers. Eida, schlau wie sie ist, zog sich zurück und holte wiederholt zu Guerilla-Attacken aus. Auch Keldoran verübte magische Gegenangriffe, die so wirksam wie brutal waren. Ein Gegner platzte sogar.

Mein Wille war stark, und ohne meine lindernden Worte wären sie alle zur Hölle gefahren. Aber mein Körper… diese Erscheinung in Weiß zehrt an meinen Reserven. Diese junge Frau erfüllt mich mit Unglück und evokiert das Misstrauen meiner Kumpane. Meine Hiebe sind voller Überzeugung und Zorn und fallen doch ins Leere. Der Sprühnebel des Hexers irritierte mich zusätzlich.

Aus unserem Siegeszug wurde schnell ein Albtraum. Drei von ihnen stachen wild auf Balasar ein mit ihren Speeren. Er fiel sterbend zu Boden und konnte sich nur mit Sehanines Kraft wieder aufrappeln. Aus einer närrischen Fehleinschätzung heraus beschwor Keldoran Blitz und Donner auf die Feinde und auch auf Balasar. Alle hielten Stand – eben außer Balasar, der wieder sterbend zu Boden fiel. Einfach nur grotesk.

Zum Glück hielten die letzten Kobolde und Goblins ein. Bedächtig zogen sie sich mit ihren Verwundeten zurück; auch wir kümmerten uns um Balasar. Nach einiger Zeit war er wieder er selbst, wenn auch etwas bleich um die Schuppen und fing an, Keldoran zu schelten. Keldoran schien sehr reumütig und war kurz vor den Tränen. Dieser Keldoran. Er ist aufgeschlossen und zumindest gegenüber einem Fey freundlich. Aber dass er in einem Kampf so selbstverständlich Opfer der eigenen Truppe in Kauf nimmt, zeigt Abgründe in ihm auf. Ich selbst bin natürlich nicht gerade unbescholten. Er jedoch ist unvernünftig und realitätsentfremdet. Sein Hang zur Magie verleitet ihn zu Willkür und Hybris, um nicht zu vergessen zum Snobismus. Dagegen ist Eida bedächtig, hinterhältig und geschickt. Sie ist zwar stürmisch, aber sie ist eine Überlebenskünstlerin und weiß sich zu behaupten. Außerdem fürchte ich sie. Trotz ihrer mädchenhaften Ausstrahlung und „Hang zur Familie“ haftet ein Geruch an ihr, den ich allzu gut von der Diebesgilde kenne. Sie stochert gerne überall rum und hat die Begabung, sich zu verschließen und den Vorwurf der Verschlossenheit auf andere zu lenken. Vermutlich ist sie eine Diebin, was schon unangenehm genug wäre. Vielleicht ist sie aber auch etwas Schlimmeres, eine Meuchelmörderin oder so ähnlich.

Im Sinne des Abenteuers ist Balasar als starke Hand und Beschützer unheimlich praktisch. Privat nervt er, aber immer weniger, wie ein schwindender Mückenstich. Der Eiszapfen in seinem Arsch löst sich langsam auf und er reißt sogar sporadisch Witze, wenn auch von, ähem, drakonischen Couleur. Er ist nicht sehr extrovertiert, aber mit ihm lässt sich am ehesten ernsthaft und offen reden.

Nun zum weiteren Verlauf des Abenteuers: Nach der glimpflichen Niederlage gegen die Freunde in Grün sammelten wir uns und betraten das berühmt-berüchtigte Grabmal des Ilion Ravenwoods. Bilder vom Kampf, von der Frau in Weiß kursierten noch immer in meinem Kopf.

Wir stiegen eine steinerne Treppe hinab, die zu einem unterirdischen, mit Fackeln beleuchteten Raum führte. An der gegenüberliegenden Wand war folgender Spruch zu lesen: „Wenn ich komme, so bringe ich dem einen Tod, den anderen das Leben“. In der Mitte des Raums sahen wir eine dicke Falltür, die Balasar geschwind hochhob. Darunter führte ein Schacht hinab in die Tiefe; eine Leiter ermöglichte den Abstieg. Zumindest halbwegs. Ich Glückspilz bekam natürlich die erste Falle ab. Als ich Balazar hinab folgte, wurde mir sehr schnell kalt und ich spürte kurzzeitig das widerliche Gefühl des runenbesetzten Obelisken in der dunklen Lichtung. Dies raubte mir die letzten Kräfte und ich fiel wie ein nasser Sack auf Balasar, dem es glücklicherweise gelang, meinen Fall zu stoppen. Als auch noch Keldoran ohnmächtig von der Leiter abrutschte (ihn haben wir in weiser Voraussicht mit einem Seil angebunden), war klar, dass diese Falle den übernatürlich Angehauchten galt.

So erreichten vorerst nur Eida und Balasar das Ende des Schachts. Keldoran und ich warteten oben auf Eingebungen, aber die Wirkungen der Falle waren noch nicht abgeklungen. Lauthals fragten wir in den Schacht hinein, was die beiden da unten treiben. Sie tüftelten mittlerweile an einem neuen Rätsel herum, scheinbar eine Rechenaufgabe. Das weckte unangenehme Erinnerungen an Arithmanie, mein Hassfach im Pilzhort. Ich war recht froh, dass ich mich nicht darum kümmern musste. Da uns die Ungeduld packte, schlug ich vor, dass Keldoran mich einfach langsam mit dem Seil nach unten lassen sollte, ob Ohnmacht oder nicht. Ich biss die Zähne zusammen und siehe da, trotz Übelkeitsanfall schaffte ich es sogar ohne zu fallen hinunter. Keldoran hatte nicht so viel Glück, sein Knoten löste sich als sein schlaffes Körpergewicht nach unten sackte. „Vielleicht sollten wir jemanden hochschicken, der Keldorans Seil festhält“, dachte ich, kurz bevor Fey auf Fey knallte.

Ich wachte auf. Eine warme Flüssigkeit lief aus meiner Nase, dann setzte der dumpfe, harte Schmerz des Nasenbruchs ein. Ich torkelte und fiel nach vorne; Keldoran hielt sich am Arsch fest und verzerrte sein Gesicht schmerzerfüllt. Nur mit Mühe streckte ich meine Seele aus, und Sehanine empfing sie, strich mit ihren Fingern über meine geschundene Nase wie der Mondschein über Laub. Während mein Nasenbein knisterte, ärgerte ich mich über die Gerüchte, dass Feyvolk angeblich elegant ist, immer auf die Pfoten zuerst fällt etc.

Verschwommen sah ich, dass Eida und Balasar bereits das Rätsel gelöst haben. Neben einer Anreihung von Zahlen und Kreuzen auf der Wand war eine Tür zu einem warmen Raum geöffnet. Balasar und Eida waren schon drinnen; Keldoran und ich folgten taumelnd. Ein letztes Mal schaute ich mich in diesem Raum um. Auf einer Wand stand geschrieben: „Drei Brüder nenn ich mein, relativ im Kreislauf muss ich sein“. Das Innere des Raums erschien mir zu dem Zeitpunkt komplex, obwohl ich etwas neben der Spur war aufgrund meines Unfalls. Irgendetwas mussten wir tun, aber das Ziel glitt aus meinen Fingern. Wir sind auf eine regelrechte Schatztruhe der Kuriositäten gestoßen; die Wände waren mit alten Büchern, alchemistischen Apparaturen, astronomischen Wandbildern und unbekannten Symbolen gesäumt. In der Mitte des Raums stand ein Tisch, auf dem ein Schachbrett mit Figuren lag. Zur Entspannung spielte ich eine Runde Schach mit Balasar, jedoch verschwammen die Figuren vor meinen Augen, ständig übersah ich imminente Gefahren, meine Konzentration rannte metaphorisch übers Feld mit einem Schlauch voll Met. Nach all diesen Anstrengungen verhielten wir uns wie Spielkinder, wir waren von all diesen Altertümlichkeiten, von den Ausstellungen Ilions gebannt.

Faszination ging über zu Irrsinn. Balasar fütterte seinem Drake einen magischen Farn, über dessen Eigenschaften niemand etwas sagen konnte. In meiner Verwirrtheit lutschte ich an einem Elementarstein in dem Glauben, ein Minzbonbon gefunden zu haben. Keldoran versuchte, Balasar zu erklären, was infernale Magie ist. Er begnügte sich damit, die Tür anzuschreien, die uns den Weg versperrte. Wir alle tasteten den Raum ab im Glauben, eine besonders ausgefeilte Illusion des Ilions zu verfallen. Nichts gelang. Im Nachhinein fällt es mir sogar schwer, genau zu sagen was pasiert ist, so tranceartig fühlte es sich an. Niemand konnte sich dem Charme des Raums wirklich entreißen.

Außer Eida. Nach einiger Zeit versuchte sie, uns aus unserem Zustand der Leichtmütigkeit zu rütteln. Womöglich bekam sie langsam Angst, dass dies alles nur eine weitere Falle ist und wir weiterspielen würden, bis wir an diesem Ort verhungern. Schnell holte sie uns auf den Boden der Tatsachen zurück, indem sie an dem Zahlenrätsel im Vorraum rumpfuschte und die Tür von außen zufallen ließ. Mein Leichtsinn schwand; ich war wieder nüchtern und wütend auf diese kleine Schlange. Ich schüttelte meinen Kopf und übte mich in Geduld.

Als Eida die Tür wieder öffnete, rissen wir uns zusammen. Ich spürte das seltene Gefühl, dass wir doch zusammen gehören, dass trotz allen Missmuts und Antipathien uns ein Ziel verbindet. Aus den Irrungen der anderen wurde auch wieder die altbekannte Determination, die mir fehlte. Keldoran schnappte sich ein Buch der arkanen Künste aus dem Regal und hielt ihn an die verschlossene Tür im Raum, die mit dem allgemeinen Symbolfür Magie versehen war. Ich schaute verdattert hin; so einfach konnte das doch nicht sein.

Die Tür öffnete sich.Hinter der Tür sahen wir eine wackelige Brücke, die über einen steinernen Abgrund führte. Ilion hielt uns zum Narren, wohl leider nicht zum letzten Mal…

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Die Vision am Außenposten (Finn)

Vor langer Zeit war der Außenposten unversehrt und besetzt von Soldaten. Die Einsatzkräfte dort huldigten Sehanine; in Form einiger übriggebliebener Relikte sieht man dass dort umfangreiche Rituale abgehalten worden sind.

Eines Tages aber bildete sich eine schwarze Sphäre, deren Epizentrum der Außenposten selbst war. Diese verschlang alles Lebende, riss die Mauern des Außenpostens runter und breitete sich über die umgebende Landschaft aus… Heutzutage weisen keine offenbaren Zeichen auf eine Verfluchung oder Verdammung des Ortes hin; er ist betretbar und lädt zum Meditieren ein. Der Kontakt zu Sehanine gelingt dort recht leicht. Das Problem an den Ruinen ist, dass sie von den Red Hand Marauders besetzt sind. Fiese, hinterlistige Kobolde haben sich im Kellerbereich verschanzt und lauern Eindringlingen auf mit lebensgefährlichen Fallen.

Wie ist es möglich, dass die Dunkelheit einen Ort übermannt, der von Sehanine geschützt ist? Immerhin haben die Soldaten dort viel auf sich genommen, um den Segen Sehanines zu erlangen Gefunden wurde ein Schrein zu Ehren Sehanines, ein Kerzenständer mit entsprechender Symbolik und sogar ein heiliges Symbol Sehanines, das magische Eigenschaften aufweist.

Sehanine wendet sich als Göttin des Zwielichts sowohl vom gleißenden Licht als auch von der Dunkelheit ab. Womöglich hat sie im Kampf gegen einen Gott der Dunkelheit Verluste in Form des Außenpostens erlitten. Wie aber wurde dieser Außenposten entweiht? Gab es Verräter unter den Soldaten, die sich einem dunklen Kult frönten?

Eine Verbindung zwischen der jetzigen Kobold-Infestation und der vergangenen Katastrophe ist auf Anhieb nicht zu erkennen. Dass die Red Hand Marauders über solche verheerenden Kräfte verfügen ist nicht leicht vorstellbar. Nichtsdestotrotz darf man ruhig davon ausgehen, dass die Kobolde nur ein Vorgeschmack waren und weitere, stärkere Gegner im Dunkeln lauern.

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